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Neue Technologien für die Entsorgung von Asbest

Neutralisierung von Asbest mit Mikrowellen

Mit Kubota Matsushitadenko Exterior Works Ltd. (KMEW, クボタ松下電工外装 Kubota Matsushita denkō gaisō Kabushiki-gaisha), einem gemeinsamen Tochterunternehmen von Kubota (Kubota Corporation, 株式会社クボタ Kabushiki-gaisha Kubota) und Panasonic Electric (Panasonic Electric Works Co., Ltd., パナソニック電工株式会社 Panasonikku Denkō Kabushiki-gaisha), stellte im August 2009 in Osaka eines der führenden Unternehmen für Außenverkleidungen und Fassadenwerkstoffe eine neu entwickelte Technologie vor, mit der Asbest in Baustoffen und Bauabfällen unter Einsatz von Mikrowellen mit niedrigem Kostenaufwand nahezu vollständig neutralisiert werden kann.
Mit Mikrowellen, wie sie auch in Mikrowellenherden zum Einsatz kommen, werden die zu behandelnden Stoffe auf 850 °C erhitzt, die Struktur der Mineralfaser zerstört und zu unschädlichen Partikeln umgewandelt.

Einfacher, günstiger,  sicherer

Die neue Technologie stützt sich auf ein hybrides Erhitzungsverfahren, bei dem den Stoffen Wärme auf zwei Wegen zugeführt werden. Neben einem äußerlichen Erhitzen der zu behandelnden Stoffe durch elektrische Beheizung erfolgt zusätzlich ein internes Erhitzen durch Mikrowellen und läßt die Materialien Kerntemperaturen von 850 bis 1000 °C erreichen. Möglich wird das Verfahren dadurch, daß das in Zement zu etwa 2/3 enthaltene Calciumoxid genauso wie Wasser in der Lage ist, Energie von Mikrowellen aufzunehmen und in Hitze umzusetzen. So wird Asbest im Material durch die Calciumverbindungen in seiner Umgebung indirekt erhitzt. Zusätzlich entstehen zwischen Asbest und Calcium lokale Temperaturunterschiede: Nicht nur werden die Asbestfasern durch die Hitze zerstört, durch die Temperaturunterschiede im Material findet auch eine mechanische Verschiebung in der Kristallstruktur statt.

Die interne Erhitzung bringt enorme Sicherheitsvorteile: So ist etwa die Behandlung asbesthaltiger Schieferziegel nun ohne ein vorhergehendes Zerkleinern der Stoffe möglich: Ohne eine Freisetzung von Asbest riskieren zu müssen, ist das Innere der Stoffe erreichbar. Desweiteren erhöht der Einsatz von Mikrowellen die Effizienz der Behandlung: Anders als bei verlustbehafteter indirekter Erhitzung entsteht die Wärme hierbei im Inneren des zu behandelnden Stoffs – mit hohen Wirkungsgraden. Auf eine Bahre aus Siliciumcarbonat gestapelt durchqueren die Stoffe die Anlage auf einem Förderband mit hoher Kadenz – schnell, unkompliziert und kosteneffektiv. Nach der Behandlung mit dieser Technologie ist sogar eine Wiederverwendung der Materialien als Baustoff möglich und macht eine teure Entsorgung auf Sonderdeponien unnötig.
Die Beantragung der Zulassung des neuen Verfahrens beim Umweltministerium ist noch für dieses Jahr geplant.

Sumitomo Osaka Cement forscht an Niedrigtemperatur-Verfahren

Auch andere Unternehmen entwickeln neue Verfahren zur Asbestbehandlung. Bereits am 10. Juni 2009 stellte Sumitomo Osaka Cement (Sumitomo Osaka Cement Co., Ltd., 住友大阪セメント株式会社 Sumitomo Ōsaka Semento Kabushiki-gaisha) eine neuentwickelte Technologie zur Neutralisierung von Asbest in Baustoffen über chemische Reaktion vor. Bei diesem Verfahren werden die Stoffe unter Zugabe von Wasser u.a. zunächst zerkleinert, um sie in einen Zustand zu überführen, der die Reaktion mit dem Hauptreagens erleichtert. Der mehrstündige Prozeß arbeitet unterhalb von 100 °C und zeigt sich energiesparender als bisherige Verfahren. Zusätzlich forscht man an Methoden, die die Wiederverwendung der bei diesem Verfahren anfallenden Feststoffe als Ausgangsmaterial für die Zementherstellung möglich machen.

Um Asbest vollständig zu neutralisieren, war bislang ein energieintensiver Schmelzprozeß bei Temperaturen über 1500 °C nötig (z.B. per Umwandlung des Asbest in Olivine), wodurch die Entsorgungskosten für Asbest auf etwa 200.000 Yen (ca. 1480 Euro) pro Tonne ansteigen. Zwar schreitet die Entwicklung von kostengünstigeren Technologien wie der Umwandlung in unschädliche Substanzen voran, aber oft bleiben Kleinstmengen der schädlichen Fasern im Material zurück und verhindern bislang eine weite praktische Anwendung.

Asbest in Baustoffen weiterhin ein aktuelles Problem

Aufgrund der gesundheitlichen Risiken beim Umgang mit Asbest bleibt die Problematik der Entsorgung von Asbest auch in Japan nach wie vor ein aktuelles Thema. Wie das Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport am 17. Juli bekannt gab, nutzten staatliche Institutionen Ende März 2009 noch 113 Gebäude, bei welchen die Asbestentsorgung noch nicht abgeschlossen war – so etwa beim Gebäude des Obersten Gerichtshofs im Bezirk Chiyoda in Tokio. Auch 2010 werden die Arbeiten an 40 Gebäuden unvollendet bleiben, bei weiteren 923 Gebäuden steht eine Prüfung auf Asbest noch aus.
Laut einer am 1. Juli vom Ministerium für öffentliche Verwaltung, Inneres, Post und Telekommunikation (MIC) veröffentlichten Studie zur Asbestbelastung in öffentlichen Einrichtungen der Kommunen waren Ende März sogar noch in 6522 Gebäuden Asbest verbaut und darunter in 1592 Fällen noch gänzlich unbehandelt. In vier Fällen gab es gar konkrete Befürchtungen einer Freisetzung von Asbest an die Luft, so daß entsprechende Maßnahmen dieses und nächstes Jahr durchgeführt werden sollen.

Konkrete Fälle von Gesundheitsschäden an Personen, welche in der Nähe asbestbelasteter Gebäude lebten, brachte eine Untersuchung des Umweltministeriums hervor. Die Untersuchung zur Volksgesundheit 2008 hatte 6 Regionen im ganzen Land zum Gegenstand und benennt u.a. Fabriken, in denen Asbest verbaut ist. 161 Personen, die nie in einer solchen Fabrik gearbeitet hatten, zeigten demnach Anzeichen einer gesundheitlichen Schädigung durch Asbest. Die Betroffenen gründeten inzwischen Selbsthilfegruppen und forderten vom Ministerium neben einer gründlichen Untersuchung der Ursachen auch eine fortwährende kostenlose Krankenbehandlung.


Quellen:
Meldungen bei Nikkei Net vom 10.06., 01.07., 17.07. und 17.08.2009
Pressemitteilung KMEW vom 19.08.2009












last modified 2009-08-23 08:49