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Japans Beitrag zur „Elektrischen Revolution“ in den USA

Intelligente Stromnetze lassen neue Märkte entstehen – auch für japanische Konzerne

Um die von der Weltfinanzkrise schwer angeschlagene amerikanische Wirtschaft zu konsolidieren verkündete die Regierung Obama neben einer Reihe weiterer Maßnahmen auch einen sogenannten „Green New Deal“. Einen wichtigen Bestandteil dieser ökonomisch-ökologischen Neuausrichtung stellt die Erneuerung der überalterten amerikanischen Stromversorgungsinfrastruktur dar, wobei insbesondere intelligenten Stromnetzen – sogenannten Smart Grid – eine Schlüsselrolle zukommen wird. Allein für die Errichtung der Smart Grid plant die US-Regierung Ausgaben in Höhe von bis zu 3,9 Mrd. Dollar. An der Umsetzung dieser „elektrischen Revolution“ sind neben amerikanischen Großkonzernen wie Google oder General Electric auch zunehmend japanische Unternehmen beteiligt.

Intelligente Stromzähler: Verzehnfachung der Ausliefermengen

Durch Smart Grid ergeben sich unzählige neue Geschäftsfelder inner- und außerhalb der Stromerzeugungsbranche: Auch Unternehmen wie Ford und Microsoft sind auf die Möglichkeiten der neuen Technologie längst aufmerksam geworden und hoffen auf die Potentiale von Elektrofahrzeugen und neuen Internet-Dienstleistungen, welche den Energieverbrauch der an die intelligenten Netze angeschlossenen Haushalte regeln und verringern sollen. Auch der Suchmaschinen-Riese Google wittert gute Geschäfte mit den zu erwartenden enormen Datenmengen, die der Einsatz der neuen Technologie generieren wird und ist so beispielsweise über Investitionen an der Firma Silver Spring Networks (SSN) beteiligt, einem Schlüsselunternehmen bei der Entwicklung intelligenter Stromnetze. Ein wichtiges Element hierbei sind intelligente Stromzähler, sogenannte „Smart Meter“, welche die Nachfrage nach Elektrizität überwachen und hin und wieder den Verbrauch durch Abschaltung unwichtiger Ressourcen drosseln können. Im Zuge des Green New Deals beschleunigt sich nun die Installation der Smart Meter durch die großen Energiekonzerne – SSN beispielsweise veranschlagt für das nächste Jahr ein Anwachsen auf das Zehnfache des diesjährigen Wertes. Auch der Stromriese Pacific Gas & Electric (PG&E), der mit Nord-Kalifornien als Zentrum etwa 15 Mio. Kunden versorgt, hat in mehr als 2 Mio. Haushalten bereits Smart Meter installiert und beabsichtigt bis 2012 die Verbreitungsrate gar auf 100% zu steigern.

Kontinuierliche Weiterentwicklung des Stromnetz der nächsten Generation - auch durch japanische Unternehmen

Die Möglichkeiten, welche die elektrische Revolution in den USA bietet, nehmen auch immer mehr japanische Unternehmen wahr. Im Bundesstaat Neu Mexiko werden ab diesem Herbst Toshiba und Hitachi auf einem Gebiet mit etwa 1000 Haushalten ein Smart Grid errichten. Desweiteren sind auch Nihon Gaishi (NGK Insulators, Ltd. 日本碍子株式会社, Nippon gaishi Kabushiki-gaisha) oder Mitsubishi Heavy Industries  und die Shimizu Corporation (清水建設株式会社 Shimizu Kensetsu Kabushiki-gaisha) beteiligt. Auch in Japan selbst gewinnt die Entwicklung von intelligenten Stromnetzen immer mehr Schwung. Konzerne wie Sharp oder KEPCO (Kansai Electric Power Company Inc., 関西電力株式会社 Kansai Denryoku Kabushiki-gaisha) führen bereits ab nächstem Jahr praktische Erprobungen durch, so etwa in einem Modellprojekt in der Stadt Sakai (Präfektur Ōsaka). Auch TEPCO (Tokyo Electric Power Company, Inc., 東京電力株式会社 Tōkyō Denryoku Kabushiki-gaisha), Hitachi und Itochu (伊藤忠商事株式会社 Itōchū Shōji Kabushiki-gaisha) begannen neben weiteren Unternehmen ähnliche Projekte in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Tokio (東京工業大学Tōkyō Kōgyō Daigaku).

Auf einen Aufruf des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), sich an der in den USA ab 2011 geplanten Forschung im praktischen Einsatz zu beteiligen, antworteten neben TEPCO und Panasonic insgesamt 15 japanische Unternehmen. Da man in den USA bereits in eine Phase der landesweiten Anwendung von intelligenten Stromnetzen und Stromzählern übergeht, ergeben sich für japanische Unternehmen ideale Möglichkeiten, den praktischen Einsatz zu testen und neues Know-How zu erlangen. Denn im Gegensatz zu den USA ging man in Japan bei der Einführung von Smart Grid und Smart Meter bislang von einer Langzeitentwicklung aus: In Japan unterliegen Stromzähler zwar der Pflicht, alle zehn Jahre geprüft zu werden, wobei durchschnittlich auch etwa 10% der Geräte ausgetauscht werden. Aber auch für den Fall, daß nur diese Geräte durch intelligente Strommesser ersetzt würden, beanspruchte die Errichtung eines landesweiten Smart Grid mindestens 10 Jahre. Auch zeigte sich das japanische Stromnetz bislang wesentlich solider als das amerikanische – 2006 etwa ereignete sich in Japan nur ein Siebtel der Stromausfälle, die amerikanische Stromkunden erlebten.

Quellen:
Nikkei Net
Nihon Keizai Shinbun, 02.07.2009
Nihon Keizai Shinbun, 15.07.2009 (Abendausgabe)


last modified 2009-07-29 18:13