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Biokraftstoffe in Japan – ETBE oder Bioethanol?

Japanische Regierung will bis 2010 durch Biokraftstoffe 500.000 m³ Rohöl einsparen – Beginn des allgemeinen Verkaufs von Biodiesel und Biobenzin hat bereits begonnen

Durch das Kyoto-Protokoll von 1997 hat sich Japan verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2012 um 6% gegenüber dem Wert von 1990 zu reduzieren. Im Jahr 2006 überschritt man diesen jedoch um 6,3%. Dem Einsatz von CO2-neutralen Biokraftstoffen kommt somit nicht nur als Maßnahme, Japans Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger zu reduzieren, sondern vermehrt auch als Mittel zur Verbesserung der eigenen CO2-Bilanz immer mehr Bedeutung zu. Bis zum Jahr 2010 beabsichtigt man, Biokraftstoffe in Mengen einzuführen, die 500.000 m³ Rohöl ersetzen.

Bei ihren Bemühungen, den Einsatz von Biokraftstoffen auszuweiten, war die japanische Regierung bislang bestrebt, vor allem den Einsatz von „E3“, einem Biokraftstoff, dem zu 3% Bioethanol beigemengt worden ist, zu fördern. Zwar werden auch weiterhin praktische Erprobungstests mit E3, wie etwa von der Präfektur Ōsaka, durchgeführt, aber seit einigen Wochen werden im Umweltministerium zunehmend die Möglichkeiten von „E10“ diskutiert. Es scheint, daß die japanische Regierung plant, mit der Einführung von E10 die Verbreitung von Biokraftstoffen zu beschleunigen, nachdem die Mineralölindustrie seit Anfang des Jahres den Einsatz von Kraftstoffen mit Zusatz von ETBE deutlich gesteigert hatte.

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ETBE oder Bioethanol?

Im Bemühen der Regierung, Biokraftstoffe zu verbreiten, war Japans Mineralölindustrie bereits seit einigen Jahren um Kooperation angerufen. So arbeitete man beispielsweise mit der Chusei Oil, Ltd. (中国精油株式会社 Chūkoku seiyu kabushiki-gaisha) oder der Firma Bio Ethanol Japan (バイオエタノール・ジャパン関西株式会社 Baio etanōru japan kansai kabushiki-gaisha) zusammen und unterstützte Forschungsprojekte mit Fördergeldern. Doch entgegen den Plänen der Regierung, vor allem E3 zu verbreiten, gingen die Mitglieder des „Erdölverbands“ (石油連盟 Sekiyu Renmei), einer 1955 gegründeten Vereinigung der wichtigsten Vertreter der japanischen Mineralölindustrie, einen eigenen Weg und wandten sich ab 2007 vielmehr dem Einsatz von ETBE (Ethyl-tert-butylether) zu.

Im Gegensatz zu E3 handelt es sich bei ETBE nicht um einen CO2-neutralen Energieträger. ETBE wird hauptsächlich über die Reaktion von Bioethanol mit Isobuten gewonnen, welches beim Cracken von Erdöl im regulären Raffinationsprozeß anfällt. Damit bringt ETBE für die Reduktion des CO2-Ausstoßes prinzipiell kaum Vorteile. Auch verweisen Kritiker weiterhin auf die Frage nach der Sicherheit von ETBE: Die Langzeitwirkungen auf Mensch und Umwelt seien noch nicht abschließend geklärt.

Der japanische Erdölverband kritisiert hingegen den Einsatz von Bioethanol auf ähnliche Weise. Zum einen seien die Kosten für benötigte Umrüstungen an den Produktionsanlagen zu hoch. Zum anderen würde die direkte Beimengung von Bioethanol zum Benzin die Entstehung von Stoffen fördern, welche photochemischen Smog verursachen können. Auch gäbe es noch ungelöste technische Probleme, wie etwa eine vom Ethanol geförderte Anreicherung von Wasser im Kraftstoff mit entsprechenden Problemen bei Verbrennung und Motorleistung, während ETBE die Klopffestigkeit von Kraftstoffen sogar verbessern kann.

Mineralölindustrie sichert ihre Gewinne

Es werden jedoch auch Vorwürfe laut, die Mineralölindustrie sehe im Einsatz von Bioethanol vor allem eine Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Schließlich wären statt E3 auch Kraftstoffe mit zehn oder 20% Ethanol möglich – das Beispiel Brasilien zeigt, daß auch E25 und sogar E100 ohne größere technische Probleme eingesetzt werden können. Während jedoch Bioethanol den Absatz der Mineralölkonzerne zu bedrohen scheint, birgt ETBE eine solche Gefahr kaum: Produziert aus Bioethanol und dem fossilen Isobuten wird ETBE die herkömmlichen Kraftstoffe nicht verdrängen und kann darüber hinaus in den bestehenden Raffinerien produziert werden.

Ein versuchsweiser Handel mit ETBE-versetztem Benzin begann bereits im April 2007, als an etwa 50 Tankstellen in der Hauptstadtregion Kraftstoffe angeboten wurden, denen ETBE zu 7% beigemengt worden war. Die Herstellungskosten lagen damals pro Liter etwa 7 bis 8 Yen über denen für reguläres Benzin, der Verkaufspreis jedoch konnte durch staatliche Fördergelder auf dem Niveau von regulärem Benzin gehalten werden. 2007 wurden so etwa 100.000 m³ verkauft, nach einer Ausweitung auf ca. 100 Tankstellen im Jahr 2008 konnten schon etwa 140.000 m³ verkauft werden – das entspricht einem Einsatz von ca. 10.000 m³ ETBE.

Ab Frühjahr 2009 begann schließlich der reguläre Verkauf von als „biologisch“ bezeichneten Kraftstoffen an japanischen Tankstellen. Als einer der ersten Vertreter begann ENEOS (Nippon Oil Corporation (NOC), 新日本石油株式会社 Shin nihon sekiyu kabushiki-gaisha) am 1. Juni 2009 mit einem großangelegten Verkauf von ETBE-haltigen Kraftstoffen und bot sie an insgesamt 861 Tankstellen in der Hauptstadt und den umgebenden Präfekturen zum Preis von regulärem Benzin an. Allein für 2009 plant die Mineralölindustrie die Einfuhr von 200.000 m³, für 2010 schließlich 840.000 m³ (210.000 m³ Rohöl entsprechend) Biokraftstoffen und sorgt damit für Auseinandersetzungen mit der japanischen Regierung.

Reaktion der Regierung: Statt E3 nun doch E10

Im Gegenzug weitet die japanische Regierung ihre Förderung für Bioethanol aus. In einer Pressemitteilung vom 5. August 2009 verkündete das Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport (MLIT, 国土交通省 Kokudo Kōtsūshō) die Zulassung eines weiteren E10-Testfahrzeugs für den Betrieb auf öffentlichen Straßen. Mit dem von Mitsubishi Motors (Mitsubishi Motors Corporation, 三菱自動車工業株式会社 Mitsubishi jidōsha kōgyō kabushiki-gaisha) beantragten Fahrzeug sind somit im August 2009 bereits sechs E10-fähige Kraftfahrzeuge für den Testbetrieb auf öffentlichen Straßen zugelassen. Das erste Beispiel eines solchen Testfahrzeuges war ein von Nissan produzierter Pkw, der am 6. Februar 2008 für den Betrieb auf öffentlichen Straßen für ein Projekt in Tokatsu in der Präfektur Hokkaidō zugelassen wurde. Die zweite Zulassung erhielten zwei Fahrzeuge von Toyota kurze Zeit später am 14. März 2008 und unternahmen in der Präfektur Ōsaka Tests mit örtlich produziertem Bioethanol.

Mitsubishis E10-Fahrzeug nimmt am „Green Bio Project“, einem Projekt zur Verwirklichung einer kohlenstoffarmen Gesellschaft der Präfektur Okayama, teil. Im Rahmen dieses Projekts wird aus land- und forstwirtschaftlichen Abfällen gewonnene Zellulose verwendet, um Bioethanol zu erzeugen. Regulären Kraftstoffen zu 10% beigemischt, kommt es als E10-Kraftstoff bei umfangreichen Testfahrten in der Präfektur zum Einsatz. Nach Aussagen Mitsubishis soll das Fahrzeug noch bis März 2011 umfangreichen Tests unterzogen werden und wertvolle Daten liefern.
Mitsubishi begann bereits im Jahr 2007 in Brasilien mit dem Verkauf des Pajero TR4 Flex, einem Fahrzeug, welches mit beliebigen E-Raten bis zu E100 betankt werden kann, und plant für 2009 mit dem Colt für den europäischen Markt Fahrzeuge, die bis zu E85 ausgelegt sind. Für die USA sind E10, für Thailand E20-fähige Fahrzeuge geplant – man widmet sich damit verstärkt Gebieten, in denen Ethanol leicht erhältlich ist.

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Produktion von Bioethanol muß billiger werden

Ein grundlegendes Problem bei der Verwendung von Bioethanol stellt bislang die weltweit steigende Nachfrage nach dem Rohstoff dar – lediglich Brasilien verfügt über ausreichende Exportkapazitäten, die Produktion im Inland gestaltet sich noch relativ kostenintensiv. Doch auch dieses Problem wird nun verstärkt in Angriff genommen.

Im Auftrag des Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und Fischereiwesen (MAFF, 農林水産省 Nōrinsuisanshō) forschen gerade Universitäten aus Tokio (東京農業大学 Tōkyō Nōgyō Daigaku) und Nagasaki (長崎総合科学大学Nagasaki Sōgō Kagaku Daigaku) in Kooperation mit Sekisui Chemical (積水化学工業株式会社 Sekisui kagaku kōgyō kabushiki-gaisha) an wissenschaftlichen Produktionsmethoden und neuen Wegen, kostengünstig Ethanol zu erzeugen. Man versucht, verschiedene Biomassetypen in ein Synthesegas aus Kohlenstoffmonooxid und Wassertoff zu überführen und daraus mit hohen Wirkungsgraden direkt Ethanol zu produzieren. Eine erste Erprobungsanlage wurde kürzlich in der Tōkyō Nōgyō Daigaku installiert.

Wenn man Produktionskosten von 10-20 Yen pro Kubikmeter Ethanol erreichte, geht man davon aus, Kraftstoffe mit Bioethanol bei Produktionskosten um 100 Yen pro Liter erzeugen zu können.



Quellen
Meldung auf Nikkei BPnet vom 19. März 2009
Yomiuri Shinbun vom 16. April 2009
Pressemitteilung des Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport vom 06. Februar 2009 sowie 05. August 2009
Kankyō Business Newsletter vom 04. August 2009
Pressemitteilung Mitsubishi Motors vom 05. August 2009
goo Daily Kankyō News vom 19. August 2009

last modified 2009-08-30 18:29