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Alkohol-Sperren für mehr Sicherheit im Verkehr
Maßnahmen der Regierung gegen Alkohol am Steuer
Nachdem in den letzten Jahren durch Alkohol am Steuer verursachte Unfälle immer mehr als gesellschaftliches Problem in das öffentliche Bewußtsein der Japaner gerückt sind, bemühten sich Regierungsstellen immer intensiver um eine Verbesserung der Sicherheit auf Japans Straßen. Besondere Aufmerksamkeit als Teil dieser Bestrebungen erfährt die Gewährleistung der Verkehrssicherheit bei Berufskraftfahrern und gewerblichen Unternehmen mit einer Vielzahl an Fahrzeugen und Fahrpersonal. Denn nachdem die Zahl der Verkehrsunfälle 2005 einen Höhepunkt erreichte, sinkt sie zwar beständig im Falle des privaten Kraftverkehrs, aber im gewerblichen Verkehr und bei Berufsfahrern findet der Rückgang der Unfälle weitaus langsamer statt. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde bereits 2007 eine Prüfungskommission im Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport (MLIT) ins Leben gerufen und mit Prüfung der Möglichkeiten beauftragt, inwiefern die Halter gewerblich genutzter Kraftfahrzeuge zum Einbau sogenannter „Alkohol-Sperren“ verpflichtet werden sollten. In einem abschließenden Bericht vom 26. Dezember 2007 wurden in Anlehnung an technische Standards der EU ein erster Richtlinienentwurf für den Einsatz solcher Technologien ausformuliert und veröffentlicht. Konkrete Zielstellungen wie etwa die Einführung einer gesetzlichen Pflicht zum Einsatz der neuen Technologien blieb jedoch vorläufig aus, da hierfür weitere Untersuchungen nötig schienen.
Konkretisierung der Ziele: ein „Sicherheitsplan“ zeichnet sich ab
Ein weiterer Schritt zu besseren gesetzlichen Rahmenbedingungen für mehr Verkehrssicherheit stellt die Veröffentlichung des „Anzen Puran 2009“ – eines „Sicherheitsplanes 2009“ dar, der nun konkrete Ziele zur Reduktion der Unfallzahlen bei gewerblichen Fahrten ausformulierte. Der Plan wurde von einer Kommission des MLIT in fünfmonatiger Arbeit seit November 2008 erarbeitet und am 31. März 2009 veröffentlicht.
Als konkrete Zielstellung der künftigen Arbeit des Ministeriums postuliert der Plan unter anderem eine Halbierung der Todesfälle bei Unfällen im Berufsverkehr in den nächsten 10 Jahren von 513 Todesfällen im Jahr 2008 auf 250, sowie eine Halbierung der Personenschäden von 56.000 Verletzten 2008 auf 30.000. Alkohol am Steuer soll gänzlich eliminiert werden. Um diese Ziele zu erreichen soll neben einer allgemeinen Verbesserung des Sicherheitsmanagements in kleinen und mittleren Unternehmen vor allem auch die Arbeitsbedingungen der Fahrer verbessert werden. Desweiteren sollen für effektivere Kontrollen mehr Personal eingestellt und gegen Verkehrssünder härter vorgegangen werden. Um dem Problem von Alkohol am Steuer zu begegnen, wird eine gesetzliche Verpflichtung des Einsatzes von Alkoholtestern gefordert und darüberhinaus nach einer Förderung der Verbreitung der Alkoholsperren gerufen.
Neue Sicherheitstechnologien bereits auf dem Markt: Alkoholtester mit integrierter Wegfahrsperre
Geräte, die den Forderungen des Sicherheitsplans entsprechen, sind bereits auf dem Markt erhältlich. Als eine der ersten Firmen bietet Tokai Denshi (Tokai Denshi Inc., 東海電子株式会社 Tōkai Denshi Kabushiki-gaisha), ein Hersteller verschiedener Alkoholtester, bereits seit dem 27. Mai 2009 mit ihrem „ALC-LOCK“ eine neue Komplettlösung an, welche den Anforderungen des Richtlinienentwurfs des MLIT entspricht. Mit dem „ALC-LOCK“ präsentierte die Firma einen für den gewerblichen Einsatz konzipierten Nachrüstsatz, der Alkoholtester mit Wegfahrsperre kombiniert. Es handelt sich bei dem Angebot um ein Set bestehend aus Alkoholdetektor, Controller, Anzeigeeinheit und weiteren in das betreffende Fahrzeug fest zu installierenden Komponenten. Soll der Motor des Fahrzeugs gestartet werden, muß zunächst Atemluft über ein spezielles Mundstück in den Detektor eingeblasen werden. Übersteigt die Konzentration an Ethanol in der Atemluft den zuvor eingestellten Grenzwert, läßt sich der Motor nicht starten. Es können dabei Werte im Bereich von 0,05 bis 2,0 mg/l mit einer Einstellgennauigkeit von 0,001 mg/l eingestellt werden. Auch verhindert das Gerät Betrugsversuche, wie etwa mit Luft befüllten Ballons, in dem es Rhythmus und Intensität der Atmung beim Einblasen überwacht. Das Grundgerät kostet 134.400 Yen (ca. 1000 Euro), das Wartungs- und Werkzeugset 126.000 Yen (etwa 943 Euro), Software zur Verwaltung der Meßergebnisse und Fahrerstatistiken 178.000 Yen (1340 Euro). Die vom Richtlinienentwurf verlangte Nachjustierung der Geräte alle 180 Tage wird für 15.000 Yen pro Gerät (etwa 112 Euro) angeboten. Nach Aussagen von Tokai Denshi ist das Gerät vor allem für Unternehmer, die eine Vielzahl von Fahrern überwachen müssen, konzipiert und eignet sich für Busse, Taxis und Lkw gleichermaßen. Laut Aussagen des Herstellers ist bei einem Fuhrpark von 20 Kraftfahrzeugen von Anschaffungs- und Installationskosten in Höhe von etwa 3,8 Mio Yen (28.500 Euro) auszugehen, doch die Firma rechnet allein für 2009 mit der Auslieferung von 1800 Einheiten.
Ähnliche Technologien auch von anderen Herstellern: Toyota beginnt praktische Erprobung
Am 31. August 2009 verkündete auch Toyota und die zur Toyota-Gruppe gehörende Hino Motors, Ltd. (日野自動車株式会社, Hino jidōsha kabushiki-gaisha), daß man vom 11.9. bis 30.11. den Einsatz einer Alkohol-Sperre in Lkw von Speditionsunternehmen u.a. in der praktischen Erprobung prüfen wolle. Die Analyse des Alkoholgehaltes in der Atemluft des Fahrers erfolgt hierbei nicht über das Einblasen von Atemluft in ein besonderes Mundstück, sondern durch ein einfaches Anhauchen des Gerätes in der Hand des Fahrers. Wird Alkohol im Atem erkannt, unterbricht das Gerät den Starterschaltkreis des Motors.
Quellen
Pressemitteilung Toyota
Meldungen auf Car Watch
Meldungen auf response.jp
„Sicherheitsplan 2009“ des MLIT und pdf-Datei